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Artenschutz durch Gentechnik?

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Produktbeschreibung
Der mögliche Einsatz tief greifender Technologien wie der Genomeditierung zur Veränderung von Lebewesen im Dienste ihres Schutzes führt den Naturschutz in ein Dilemma. Die Option macht die Unabhängigkeit und Gegenläufigkeit zweier seiner hochrangigen Ziele deutlich: der Erhaltung gefährdeter Arten und der Bewahrung der Natur in ihrer dem Menschen gegenüberstehenden, unangetasteten Autonomie. Offensichtlich ist Natürlichkeit in diesem Sinne ein dem Naturschutz (als Artenschutz) zunehmend im Wege stehendes Konzept. Dass aber nun ausgerechnet dem Naturschutz die Aufgabe übertragen wird, den Gegenstand seines Schutzes zu verändern, um ihn zu erhalten - darin kann eine tragische Dialektik gesehen werden. Denn indem die Arten durch ihre Veränderung erhalten werden sollen, werden sie zugleich als Naturgegenstände zerstört. Aber nicht nur die damit einhergehende Veränderung der Schutzkonzeption im Naturschutz stellt ein Problem dar, zu bedenken sind auch die ökologischen Risiken des Einsatzes nicht mehr rückholbarer gentechnisch veränderter Organismen. Schließlich ist es fraglich, ob sich der Naturschutz mehr als nur punktuell auf Verfahren (und Debatten) einlassen sollte, die seinem Identitätskern widersprechen. Sich für Erhaltung und Gestaltung der Lebensbedingungen bedrohter Arten einzusetzen, erscheint für den Naturschutz immer noch im Ganzen eine bessere Strategie, als diese Arten technisch zu verändern - und damit die instrumentalisierende Logik fortzusetzen, die uns in die Katastrophe des Artensterbens geführt hat.
95. Jahrgang 2020
Heft 5
Seitenbereich 220 - 225
DOI: 10.17433/5.2020.50153803.220-225