
Warum wir nicht mehr links sind
Wir ändern uns – auch im Denken. Wolf Biermann hat dafür die knappste Formel gefunden: „Ich bin immer häufiger nicht mehr meiner Meinung.“ Dieses Staunen über sich selbst ist der Ausgangspunkt dieses Buches. Die Herausgeber Ulli Kulke und Reinhard Mohr versammeln zwölf Autorinnen und Autoren, fast alle geprägt von 68, linken Milieus oder der grünen Bewegung. Sie fragen sich, wie es dazu kam, dass sie heute nicht mehr von der Revolution träumen und nicht mehr an den Sozialismus glauben; dass sie den Staat weder verteufeln noch vergöttern; dass Marktwirtschaft, parlamentarische Demokratie und Rechtsstaat für sie zu den großen Errungenschaften zählen; und dass ihnen die Freiheit so wichtig ist, dass sie auf betreutes Denken und Sprechen gut verzichten können.
WENN AUS ERFAHRUNGEN EINSICHTEN WERDEN
Warum also sind sie nicht mehr links? Und wie verkraftet man es, sich von einem vertrauten Weltbild zu lösen, das zur geistigen und emotionalen Heimat geworden ist? Glaubt man an gar nichts mehr, oder ist womöglich eine neue Gemeinschaft abtrünniger Gleichgesinnter entstanden, deren Ideologiekritik selbst zur Ideologie werden kann? Auf diese Fragen antworten mehrere Spiegel-Bestseller-Autoren, führende Intellektuelle, prominente Persönlichkeiten und Insider aus dem Polit-Betrieb mit sehr persönlichen Texten über Abschiede und Neuanfänge, Irrtümer und Kurskorrekturen – Texte, die sich auch zu einem Kaleidoskop der jüngsten deutschen und europäischen Geschichte zusammenfügen. Wie Erfahrungen Einsichten prägen und sich innerer Diskurs vollzieht, liest sich dabei so spannend wie ein Roman.
»Es gibt letztlich nur zwei Typen von Mensch, die im Laufe ihres Lebens nie die Richtung ihres Denkens ändern müssen: die einen sind die Genies von Geburt an. Die aber gibt es in Wahrheit gar nicht, sofern man Aristoteles und Gehlen Glauben schenken darf. Und die anderen sind einfach die Idioten, die partout nichts dazu lernen wollen.«
Mathias Brodkorb
DIE HERAUSGEBER
Reinhard Mohr und Ulli Kulke sind Journalisten. Ulli Kulke gehörte zu den Gründern der linken Tageszeitung taz und baute dort die Wirtschaftsredaktion auf. Er arbeitete bei der Natur, der Wochenpost, Mare, zuletzt bei der Welt und Welt am Sonntag, nebenher stets als freier Autor für zahlreiche überregionale Zeitungen und Zeitschriften sowie als Autor historischer Bücher. Reinhard Mohr schrieb für den Pflasterstrand, die taz, die FAZ und die Welt. Von 1996 bis 2004 war er Kulturredakteur des Spiegel. Seitdem ist er freier Autor. 2023 verfasste er gemeinsam mit Henryk M. Broder den Spiegel-Bestseller „Durchs irre Germanistan. Notizen aus der Ampel-Republik“.

Ulli Kulke, Herausgeber und Journalist

Reinhard Mohr, Herausgeber und Journalist
Die Autor:innen
Das Buch versammelt Beiträge von Ulrike Ackermann, Henryk M. Broder, Mathias Brodkorb, Monika Gruber, Antonia Grunenberg, Hubert Kleinert, Monika Maron, Harald Martenstein, Dieter Nuhr, Andreas Rebers, Samuel Schirmbeck und Peter Schneider. Sie erzählen ihre eigenen Geschichten offen, konkret, widerspruchsbereit – und der Wirklichkeit zugewandt.

Ulrike Ackermann, Freiheitsforscherin, Politikwissenschaftlerin, Soziologin und Autorin

Henryk Marcin Broder, Publizist und Buchautor

Mathias Brodkorb, Journalist und ehemaliger Politiker

Monika Gruber, bayerische Kabarettistin, Schauspielerin und Spiegel-Bestsellerautorin

Antonia Grunenberg, Politikwissenschaftlerin und Autorin

Hubert Kleinert, ehemaliger Grünen-Politiker, Professor für Politik und Verfassungsrecht und Autor

Monika Maron, Schriftstellerin und Essayistin

Harald Martenstein, Journalist, Schriftsteller und Kolumnist

Dieter Nuhr, Kabarettist, Komiker, Autor, Künstler und Fernsehmoderator

Andreas Rebers, Kabarettist, Autor, Musiker und Komponist

Samuel Schirmbeck, Journalist, Autor und Filmemacher

Peter Schneider, Schriftsteller und Essayist
Ex-Linke berichten: "Wir lasen noch Bücher und diskutierten in der Sache"
In einem Gastbeitrag im Focus schreibt Rainer Zitelmann über „Wenn das Denken die Richtung ändert“. Lesen Sie hier seine Rezension.

